Sonntag, 9. November 2014

Das Leben als Autorin

Oder wie ich es nenne, eine Ansammlung erstaunter und erstaunlicher Momente.

„Oh hallo! Wir haben uns lange nicht mehr gesehen! Wie geht es dir? Und was machst du jetzt?“ „Danke, mir geht es gut. Ich arbeite als Autorin“ CUT! 
Ab hier wird der Dialog erst einmal unterbrochen von einem verstörten Gesichtsausdruck.

Die typische Reaktion auf diese Aussage, ist ein erstauntes „Nein!“
Oft sind es aber auch Sätze, wie das liebliche: „Echt jetzt?“ oder das einfühlsame „Niemals!“
Das Beste, was ich bisher jedoch gehört hatte, war: „Ich arbeite als Autorin.“ „Deine Schwester singt neuerdings im Chor.“ Ich kann immer noch nicht sagen, wer wen auf den Arm nehmen wollte. Ich kenne die Gesangsstimme von meiner Schwester, jedoch hat sich mein Vater für meine Schwester gefreut.
(Als kurze Anmerkung, die Unterhaltung bezüglich meiner Arbeit, haben mein Vater und ich 6 Wochen später wieder aufgenommen. Zu hören bekam ich das liebliche „Echt jetzt?“)

Ich kann nicht mehr sagen, wie oft die Menschen mir einen Bestseller unterjubeln wollten oder behauptet hatten, dass ich neuerdings reich wäre oder zu viel Zeit hätte. Ich habe auch schon gehört, dass es doch so einfach ist, einen Roman zu schreiben. Lange schlafen, ein paar Seiten tippen, dabei gemütlich ein Glas/Flasche/Fass Wein trinken und mal eben so aus dem FF einen Bestseller schreiben. Dazu läuft die Lieblingsmusik im Hintergrund und die Welt vergisst einen.

Ja, das klingt vielleicht für den ein oder anderen, nach dem perfektem Leben. Für mich klingt es wie ein unrealistischer Traum.

Ja, mein Leben hat sich verändert.

Nein, ich habe bisher keinen Bestseller geschrieben.
Aber! Ich weiß, dass ich es schaffe, einen Roman zu schreiben und zu veröffentlichen. Und ich weiß, dass es da Menschen gibt, die meine Bücher auch lesen.

Ja, ich bin reicher als vorher.
Ich habe viel Wissen angesammelt. Ich kann von mir behaupten, bisher zwei Romane veröffentlicht zu haben. Ich kann von mir behaupten, viele, tolle Menschen kennen gelernt zu haben. Und ich kann behaupten, dass ich stolz auf mich bin, überhaupt so weit gekommen zu sein.

Nein, ich habe nicht zu viel Zeit!
Um genauer zu werden, habe ich noch weniger Zeit als vorher. Ich stehe früh auf und gehe erst spät in mein Bett. Ich versuche jeden Tag meinen Beruf, meine Freunde und meine Familie unter einen Hut zu bekommen. Aber dort ist genauso viel Platz wie bei jedem anderen auch.

Dieses Bild von dem einsamen Autor, der trinkend über dem nächsten Bestseller sitzt, mag für einige toll sein. Ich finde es unrealistisch. Viele Autoren versuchen sich ein Tagespensum für ihre Normseiten zu setzen. Meines liegt bei 5 Seiten. Oft kommt es vor, dass ich zwischen 10 und 25 Seiten schaffe. Selten auch mal 30. Jedoch habe auch ich Tage, an denen ich lediglich 1-2 Seiten schaffe, wenn überhaupt.
Dazu kommt dieses unstimmige Bild von dem Wein. Ich trinke selten bis gar keinen Alkohol und bisher habe ich keinen Wein gefunden, der mir wirklich zusagt. Und, sind wir doch einmal ehrlich. Meinen die Menschen wirklich, dass es so dienlich ist, Alkohol bei der Arbeit zu trinken? Woher kommt dieses Bild von dem zerrütteten Künstler, der in seiner kalten, nassen Burg sitzt? Überall liegen Tierfelle herum, die Trophäen hängen an der Wand und gaffen einen an. Der Gärtner verscharrt den letzten unerwünschten Besucher im Garten, während das Feuer im Kamin viel zu viel Sauerstoff bekommt und wie im Wahn hin und her flackert. Der Autor beendet sein neustes Werk und lacht bestialisch in die Dunkelheit hinein.

Grausam!

Ich sitzte im Wohnzimmer, arbeite still an meinem Manuskript. Meine Tiere liegen um mich herum, mein Sohnemann spielt und genießt sein Leben, nach der Schule. (Er ist 8 Jahre alt.)
Während ich meiner besseren Hälfte viel zu selten danke, für die Mühe und das Verständnis, welches mir entgegen gebracht wird.
Dabei höre ich die Musik, die zum Roman passt, aber bestimmt nicht zu meiner Laune und tippe fleißig meine Gedanken auf meine abgenutzten Tasten am Laptop. Ich vergesse dabei mich, die Welt um mich herum und springe wie eine verrückte auf, wenn ich auf die Uhr sehe und feststelle, dass ich seit 20 Minuten in der Küche stehen sollte, um zu kochen. 
Meine beiden sind absolute Naschkatzen. So wird immer mal wieder gebacken. Der Marmorkuchen wird nicht mit Kakaopulver gemacht, wie es die Mutti aus dem Kindergarten immer macht. Nein, ich schmelze Schokolade ein und würze sie. Ich würze Schokolade, ja! Und ich stehe dazu!
Wenn alle beim Abendessen zusammen sitzen und von ihrem Tag erzählen, freuen sie sich über das gelungene Essen. Ich hingegen würde am liebsten nur ein belegtes Brot essen und schlafen. Mir ist es egal, wie es schmeckt oder aussieht. Hauptsache es erfüllt seinen Zweck und macht mich satt. Dennoch lächel ich jedes mal, wenn ich höre, dass es ihnen schmeckt und wenn sie noch etwas nach nehmen wollen.

Sobald ich einen Roman beendet habe, kommt ein kurzes Grinsen zu Welt. Die Lebenserwartung von dieser seltenen Spezies liegt bei geschätzten 5 – 10 Minuten. Danach stirbt es einsam und die Suche nach einem geeigneten Verlag beginnt.
Ab hier gibt es zwei Wege, für die ich mich entscheiden kann.
Der Verlag. Oder ein E-Book.
Ich habe beides getestet und ich werde meine Meinung dazu irgendwann einmal äußern.
Wenn mein Roman endlich erhältlich ist (egal in welcher Form) geht es darum die Menschen darauf aufmerksam zu machen.
Wenn dies alles erledigt ist, ziehe ich meine Notizen hervor und beginne mit dem nächsten Werk.


Wenn ich jemanden so meinen Arbeitstag erzähle, höre ich so oft „Aber du machst doch gar nichts!“ Viele vergessen leider, dass ein Roman nicht geschrieben wird, weil man etwas abtippt. Nein, man muss vieles beachten, recherchieren, ausdenken und dem Buch ein Leben einhauchen. Nicht immer ist es ratsam sich an Fakten zu halten. Somit ist die eigene Fantasie immer gefragt. Ich kenne kein Wochenende, keine Ferien und keinen Urlaub. Uhrzeiten sind nur noch da, um den Tagesrhythmus zu behalten. Ansonsten wird immer gearbeitet. Ich habe ein kleines Notizbuch in meiner Tasche. Oft hole ich es hervor und arbeite weiter, auch wenn der Laptop zu Hause im Schrank steht. Dabei ist es mir egal, wie spät es ist, oder ob Weihnachten ist.
Stundenlang sitzen Autoren vor ihren Computer oder ihren Laptop und leisten geistige Arbeit. Jeder Tippfehler wird gezählt, notiert und ab und an dem Autoren zugeschickt.

Der Leser sitzt in der Regel zu Hause, genießt das Buch und entspannt sich. Dabei wird leider ab und an vergessen, dass der Autor bis dato kaum Zeit zum entspannen hatte. Er hat gearbeitet, damit der Leser sich entspannen kann.

Nun fragen sich einige: „Warum macht die das dann?“
Ja, warum? Ich bin ein Mensch, der A. Sehr kreativ ist und damit irgendwo hin muss und B. Ich liebe es zu geben! Eine kurze Rezension oder ein einfaches „Das klingt interessant“ erfreuen mich ungemein. Natürlich ist es dann mein persönliches Highlight, wenn jemand sagt, dass er sich in meinem Buch verloren hat, mal alle Sorgen vergessen konnte und einfach von der Geschichte gefesselt war. Es ist ein wunderschöner Moment, wenn mir jemand sagt, dass er mit den Figuren mitfühlen konnte und sie es kaum erwarten konnten, wie die Geschichte weiter geht.

Das ist mein Ansporn, warum ich jeden Tag aufwache (wach werde) und bei der Sache bin. So lange es einen Menschen gibt, der meine Geschichten gerne liest, so lange werde ich weiter machen.


Und das mache ich jetzt auch.